Präanalytik

Präanalytik

Unter diesem Begriff werden alle Prozesse zusammengefasst, die vor der eigentlichen Analyse ablaufen, im Einzelnen:

  • Patientenvorbereitung
  • Gewinnung des Untersuchungsmaterials
  • Aufbereitung, Aufbewahrung und Versand des Untersuchungsmaterials.

Die präanalytische Phase hat einen ganz entscheidenden Einfluss auf die Richtigkeit des Untersuchungsergebnisses. Fehler im präanalytischen Prozess können zu Abweichungen führen, ohne dass dies von Seiten des Labors erkennbar sind. In besonderen Fällen kann auf Anfrage die Messunsicherheit zu einzelnen Verfahren mitgeteilt werden.

1. Patientenvorbereitung

Die meisten Referenzbereiche wurden im morgendlichen Untersuchungsmaterial ermittelt. Daher wird generell eine Abnahme des Untersuchungsmaterials in der Zeit zwischen 7.00 Uhr und 9.00 Uhr empfohlen.

Die letzte Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme sollte am Vorabend zwischen 18.00 und 19.00 Uhr erfolgt sein.

Die Entnahme muss im medikamentenfreien Intervall durchgeführt werden, also vor der Morgenmedikation.

Um den Einfluss körperlicher Belastung zu vereinheitlichen, sollten alle Patienten mindestens 10 Minuten vor der Blutabnahme in Ruhestellung verbleiben.

Bei bestimmten Untersuchungen sind hinausgehende Maßnahmen erforderlich; siehe bitte Analysenverzeichnis.

2. Gewinnung, Aufbereitung, Aufbewahrung und Versand des Untersuchungsmaterials


2.1 Gewinnung allgemein

Es ist empfehlenswert das Untersuchungsmaterial vor der Gewinnung zu beschriften. Die Probenkennzeichnung dient der eindeutigen Zuordnung einer Patientenblutprobe zum Laborauftrag. Bei Nutzung von Barcode-Etiketten ist zu beachten, dass sowohl auf das Probenröhrchen als auch auf den Untersuchungsauftrag jeweils ein Klebeetikett mit der gleichen Nummer aufgebracht wird. Alternativ muss das Probengefäß mit Vor- und Zuname sowie Geburtsdatum beschriftet werden. Zur Blutgruppenbestimmung (separates Röhrchen ohne Trenngel)  wird neben einem Barcode die Angabe von Name, Vorname und Geburtsdatum des Patienten gefordert (Hämotherapie-Richtlinie). Der anfordernde Arzt ist für die Identität der Blutprobe verantwortlich.
Bei Stimulations- und Suppressionstests oder Tagesprofilen sind  Angaben zur Probenidentifikation (Uhrzeit, Reihenfolge der Entnahme) notwendig. Ebenso ist darauf zu achten, dass für bestimmte Untersuchungen ein separates Probengefäß erforderlich ist (z.B. Blutgruppenbestimmung, Viruslastbestimmung). Bei Entnahme von anderen Körperflüssigkeiten, z.B. Punktaten, sowie mikrobiologischen Abstrichen, bitte immer Angabe des Entnahmeortes.


2.1.1 Gewinnung von Blutproben

Venenblutentnahme unter Standardbedingungen

  • Die Blutentnahme sollte zwischen 7 und 9 Uhr nach einer Nüchternperiode von 12 Stunden bei Raumtemperatur erfolgen.
  • Nach einer Ruhezeit (sitzend oder liegend) von mindestens 10 Minuten kann dem Patienten Blut aus einer gut gefüllten Vene nach vorheriger Desinfektion entnommen werden.
  • Es sollte keine Entnahme aus liegenden venösen oder arteriellen Zugängen erfolgen. Falls dies nicht möglich ist, sollte mindestens das 10fache des Totvolumens des Katheters vorab entnommen und verworfen werden.
  • Die Staubinde wird handbreit oberhalb der vorgesehenen Einstichstelle angelegt (bei Entnahme am Arm).
  • Zum Einstechen der Kanüle max. 1 Minute stauen, der Einstich muss streng intravenös erfolgen. Die Haut wird gegen die Stichrichtung gespannt und die Schliffseite der Kanüle nach oben gerichtet.
  • Die Stauung kann gelöst werden, sobald Blut in die Röhrchen läuft.
  • Die Punktionsstelle nach Entfernen der Kanüle ausreichend lange (ca. 5 Minuten) mit einem Tupfer unter ausreichendem Druck verschließen.


Die Reihenfolge der Blutentnahme sollte wie folgt sein:

1. Blutkulturen
2. Nativblut (Serum, Vollblut)
3. Citratblut (Gerinnung)
4. EDTA- / Heparinblut
5. Fluoridblut  (NaF-Blut)

Sinn der Reihenfolge ist, einen störenden Einfluß durch das vorhergehende Röhrchen zu vermeiden.

3. Entnahmesysteme und Probenhandling

3.1 Entnahmesysteme – Farbkodierung:

ProbenmaterialVacutainer®  Sarstedt Monovette®
Vollblutrot (braun)weiß
Serum mit Trennhilfe/Gelmonovettegoldgelbbraun
EDTA-Blutviolettrot
Citrat-Blut [1+9, Gerinnung]hellblaugrün
Heparin-Blut Na-/NH4grünblau
Lithium-Heparin-Blutorangeorange
Fluorid [NaF]graugelb
Urinmonovettegelb



3.2 Umgang mit Probenmaterial

Serum

Blut entnehmen, mindestens 20 Min. (höchstens 1 Std.) in senkrechter Stellung gerinnen lassen, wenn möglich und erforderlich, zentrifugieren (ca.10 min. bei 2500 x g = ca. 3000 U/min.), Überstand (Serum) abheben und in unsere Probenröhrchen überführen.
Die Zenrifugation von Serum-Gel-Monovetten führt zu einer dauerhaften Trennung von Blutkuchen und Serum, hier ist ein Abpipettieren vor Versand nicht erforderlich.


Vollblut

Zur Bestimmung von Blutgruppen wird auch der Blutkuchen benötigt.

Bitte SARSTEDT-Monovette mit durchsichtiger bzw. weißer Kappe oder BD-Vacutainer ohne Trenngel (roter Stopfen) benutzen. Mindestens 20 Minuten durchgerinnen lassen. Das Röhrchen bitte dabei aufrecht stellen.


Plasma (EDTA-Plasma/Heparinplasma)

Blutentnahme in entsprechenden Röhrchen (EDTA/Heparin) abnehmen, durchmischen, sofort zentrifugieren (ca. 10 min. bei 2500 x g = ca. 3000 U/min.), Überstand (Plasma) abheben, in unsere Probenröhrchen (ohne Zusatz) überführen, verschließen und entsprechend der Vorschrift des jeweiligen Testparameters lagern und als Heparin- bzw. EDTA-Plasma kennzeichnen.


EDTA-Blut/Punktat

Für Blutbilder sowie molekulargenetische Untersuchungen benötigen wir EDTA-Vollblut. Für Zelldifferenzierungen aus Punktaten, Punktat bitte in EDTA – Röhrchen überführen.


Citratblut

Für Gerinnungsananlysen möglichst frisch. Bei Raumtemperatur lagern und spätestens 4 – 6 Stunden nach Blutentnahme durch unseren Fahrdienst  abholen lassen oder als Citratplasma (siehe unten) einsenden.


Citratplasma

Für Gerinnungsanalysen möglichst unmittelbar, spätestens aber 1 Stunde nach Entnahme, das Citratblut (10 min. bei 2500 x g = ca. 3000 U/min.) zentrifugieren. Das überstehende Plasma wird in ein Kunststoffröhrchen überführt und verschlossen bei -18° C bis – 20° aufbewahrt. Bitte als Citrat-Plasma kennzeichnen.


Na-Fluorid-Blut (NaF-Blut)

Zur Bestimmung der Blutglucose empfehlen wir die Verwendung von Na-Fluorid-Röhrchen, um falsch-niedrige Werte zu vermeiden. Diesen ist neben einem Antikoagulanz auch ein Glykolysehemmer zugesetzt. So wird der In-vitro-Abbau von Glukose, der in Serum ca. 90% in 24 Stunden beträgt, sowie von Laktat vermieden. Alternativ kann frisch gewonnenes Serum verwendet werden. Muss das Unter-suchungsmaterial länger als 24h gelagert werden, ist eine sofortige Zentrifugation (siehe bitte EDTA-Plasma) und das Einsenden von NaF-Plasma erforderlich. Bitte als NaF-Plasma kennzeichnen.


24 Std. Sammelurin

Behälter für die Urinsammlung können über das Labor bestellt werden.
Eine Vielzahl von Untersuchungen im Urin beziehen das Ergebnis auf die Tagesausscheidung, so dass die Angabe der Sammelmenge unbedingt erforderlich ist. Der Patient sollte genau informiert sein, um Fehler beim Sammeln zu vermeiden.
Die Sammelperiode beginnt um 7 Uhr morgens. Nachdem der erste Morgenurin verworfen wurde, erfolgt die komplette Sammlung aller Urinportionen bis zum nächsten Morgen um 7 Uhr inklusive des Morgenurins. Die Gesamturinmenge sorgfältig durchmischen, die benötigte Teilurinmenge in Urinmonovette (gelber Deckel) abfüllen und entsprechend lagern. Eine Anleitung befindet sich auch als Aufdruck an den Sammelbehältern.

Folgende Untersuchungsparameter benötigen keinen Zusatz von Säure:

  • Aldosteron, Cortisol
  • Albumin, Eiweiß
  • Elektrolyte
  • Harnsäure (Urat)
  • Osmolalität
  • Porphyrine (lichtgeschützt)
  • Spurenelemente


Für folgende Untersuchungsparameter Urin bitte mit Säure-Zusatz:

  • Katecholamine (Adrenalin, Noradrenalin)
  • Dopamin
  • Metanephrin, Normetanephrin
  • Vanillinmandelsäure, Homovanillinmandelsäure
  • 5-HIES
  • Selen
  • Thyrosin
  • Serotonin



Aufbewahrung und Versand

Einige Analysen erfordern ein Tiefgefrieren des Untersuchungsmaterials. Die Parameter sind in der Analysenübersicht entsprechend vermerkt. Darauf kann verzichtet werden, wenn das Untersuchungsmaterial direkt vor Abholung des Fahrdienstes gewonnen wird.

  • Serum, Vollblut bitte gekühlt bei + 4 °C bis + 8 °C aufbewahren
  • EDTA-Röhrchen, NaF-Blut/Plasma bei Raumtemperatur lagern (max. 18 bis 24 h)
  • Tiefgefrorenes Material (Plasma, gefrorenes Serum) muss dem Fahrdienst gesondert übergeben werden.


Anforderungsschein

Für Ihre Anforderungen stellt Ihnen unser Labor die entsprechenden Laboraufträge zur Verfügung.

Der Anforderungsschein soll folgende Angaben enthalten:

  1. Name, Vorname, Geburtsdatum und Geschlecht des Patienten
  2. Adresse des Patienten bzw. Kostenträger
  3. Angaben zum einsendenden Arzt / Praxisstempel
  4. Art des Untersuchungsmaterials
  5. Abnahmedatum und Entnahmezeitpunkt, Reihenfolge der Entnahme
  6. Verdachtsdiagnose ggf. Klinische Angaben zur Anamnese, Medikation



Patientenbezogene Einflussgrößen/Störfaktoren


Geschlecht

Für die aussagekräftige Interpretation zahlreicher Laborparameter ist die Kenntnis des Geschlechts des Patienten Voraussetzung. Wir bitten daher um Markierung des entsprechenden Feldes auf dem Überweisungsschein. Geschlechtsspezifische Unterschiede finden sich bei:

  • Hormonen ( z. B. unterschiedliche Konzentration von Östradiol, Testosteron)
  • den Referenzbereichen von Leberenzymen, Kreatinin, Eisen, Ferritin, BSG, Kreatinkinase
  • Erythrozyten- und Hämoglobinkonzentration (bei Männern höher als bei Frauen)


Lebensalter

  • erhöhte Hämoglobin- und Bilirubinkonzentration bei Neugeborenen
  • erhöhte alkalische Phosphatase in der Wachstumsphase
  • zu Beginn der Pubertät erreicht die Konzentration der meisten Messgrößen Erwachsenenwerte


Zirkadine und saisonale Schwankungen, Biorhythmik

Viele Hormone weisen tagesabhängige Konzentrationsschwankungen auf, die Abweichungen zwischen Tagesmaximum und -minimum können bis zu 200% betragen. Dies ist z.B. der Fall bei Cortisol, das Maximum liegt in den frühen Morgenstunden, das Minimum um Mitternacht. Daher empfiehlt sich bei diesem Parameter die Bestimmung im Sammelurin oder als Tagesprofil, ein einzelner Wert hat begrenzte Aussagekraft.

Weitere Parameter mit ausgeprägter Tagesrhythmik (Maximum in Klammern):

  • ACTH (morgens)
  • Katecholamine (morgens)

Ein Beispiel für saisonale Schwankungen ist Vitamin D mit Maximalwerten im Sommer (UV-abhängig).

Zahlreiche Hormone zur Fertilitätsdiagnostik, unterliegen einer Biorhythmik im Rahmen des Menstruationszyklus.


Ernährung

  • Bei Nahrungskarenz verändert sich die Konzentration von Proteinen, Fetten und Harnstoff (erniedrigt), Kreatinin und Harnsäure steigen an
  • Vegetarische Kost führt zur Abnahme von Kreatinin und Vitamin B12
  • Eiweißreiche Diäten führen zu einem Anstieg von Proteinen, GPT und Ammoniak
  • fett-und kohlenhydratreiche Kost führt zum Anstieg von Triglyceriden


Rauchen

  • Chronischer Nikotinabusus führt zu einer Erhöhung von: CEA, Leukozyten, Adrenalin, Cortisol, Lipoproteinen und Spurenelementen
  • Vermindert sind die Konzentrationen von ACE, Prolaktin, Vitamin C
  • Nach direktem Zigarettenkonsum ist das CO-Hb und die Glukosekonzentration erhöht


Alkohol

  • chronischer Alkoholabusus führt zu einer Erhöhung folgender Blutwerte: γ-GT, GPT, GOT, MCV, CDT, Adrenalin, Cortisol
  • 2-3 Stunden nach Alkoholkonsum ist Laktat erhöht und Glucose vermindert
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